Kann ein aktiver Durchschnittsanleger langfristig den Markt schlagen?

In einem Kommentar wurde ich wieder auf die zentrale Frage angesprochen, die für viele entweder geklärt ist (richtig oder falsch) oder bewusst verdrängt wird – ob ein aktiver Durchschnittsanleger langfristig den Markt schlagen kann. Die Aussage war, dass bei einer Investition in einzelne Werte (Aktien) die Rendite zweifelsfrei höher als bei ETFs ausfällt.

ETFs decken den entsprechenden kompletten Index ab. Der Index oder ich würde lieber den Begriff Markt benutzen ist die Summe aller Einzelteile. Die Entwicklung des Marktes ist demnach der Durchschnitt der Entwicklungen jeder einzel-Aktie oder auch der Durchschnitt über alle Anleger (privat oder professionell).

D.h. egal, wie der Markt sich entwickelt, ob er steigt oder fällt, stimmt seine Entwicklung mit der durchschnittlichen Entwicklung aller Anleger überein.
So weit so gut, aber bisher ging es um reine Entwicklung – ohne Berücksichtigung der Gebühren.

Ein ETF verlangt je nach Klasse sehr kleine jährliche Gebühren (meistens deutlich kleiner als 1%). Der aktive Anleger hat aber ständig Transaktionskosten (sagen wir mal ca.1% fürs Kaufen und Verkaufen zusammen).
D.h. dieser Unterschied in den Transaktionskosten, gepfeffert mit Zinsenzinseffekt lässt die passiven Investoren (ETFs) von den Aktiven davonlaufen.

Es gibt aber z.B. Behauptungen ich bin kein Durchschnittsanleger. Ich kenne mich aus, bin mehrere Jahre dabei. Nach einer Umfrage glauben dies über sich über 80% der befragten Anleger. D.h. Minimum 30% von ihnen irren sich.

Beim Vergleich muss auf jeden Fall langfristig betrachtet werden. Denn in einzelnen Jahren oder sogar längeren Perioden kann natürlich einer den Markt schlagen (wird dann von Fonds gerne als Hauptargument benutzt). Bei langfristiger Betrachtung bleiben dann nur sehr wenige übrig.

7 Gedanken zu „Kann ein aktiver Durchschnittsanleger langfristig den Markt schlagen?

  1. egghead

    die in einem ETF gehaltenen Wertpapiere können vom Emitenten verliehen werden. damit verdient er zusätzlich Geld. Bei Pleite des Emitenten ist dann im schlimmsten Falle auch alles weg. Die geringere Gebühr zahlt man mit einem stark erhöhten Risiko, dessen sollte man sich bewusst sein.

    Antworten
  2. Rico1234

    Das Problem beim ETF ist, dass du Einzelwerte nicht selektieren kannst. Wenn die CoDi also sehr schlecht läuft, kannst du sie nicht verkaufen. Gleichzeitig ist es nicht möglich, Gewinn bei SAP oder Addidas mitzunehmen. Welcher Anleger verkauft denn alle Werte, nur weil einen Teil seiner Gewinne mitnehmen will?

    Gleichzeitig ist ein ETF nicht gleichgewichtet. Du hast also zwangsläufig einige Werte untergewichtet, obwohl sie vielleicht die besseren Chancen bieten würden.

    Zuletzt fällt bei ETFs eine jährliche Gebühr an. Wenn du eine Aktie über 10 Jahre hälst, kostet sie dich NIX.

    Alles Argumente, die gegen Fonds bzw. ETFs sprechen.

    Antworten
  3. C_reichleben

    hey rico,
    das man bei einem etf einzelwerte nicht selektieren kann, ist ja gerade gewünscht. man will nicht aktiv stockpicken. es soll einfach nur relativ nah am durchschnitt gelandet werden. keine überperformance sondern die durschnittsperformance des marktes soll erreicht werden – bei geringen kosten.
    der ansatz hat was für sich und wenn man es nervlich etwas anstrengend findet dauernd nachzusehen, ob die lieblinge gut performen, dann kann man etf´s durchaus in betracht ziehen.
    wenn du als beispiel die coba nimmst, dann stimmt das letzte zitat “halte eine aktie 10 jahre und sie kostet dicht nix” vermutlich nicht immer.
    cheers
    c

    Antworten
  4. Rico1234

    Ja, im falle der coba lohnt sich “halten” natürlich nicht. Aber wenigsten kann man Sie verkaufen. Bei einem ETF tust du hingegen genau das: du hälst sie.

    Man braucht übrigens nicht dauernd nachzusehen. Einmal im Monat oder einmal im Jahr reicht vollkommen. Es ist eine Fehleinschätzung zu denken, dass man auf jede Marktbewegung reagieren müsste. :)

    Antworten
  5. C_reichleben

    zum oberen teil: ja stimmt! richtig. du hälst sie weiter, wenn sie bestandteil deines etf´s ist. es ist aber dann immer noch so, dass das ja teil der “strategie” ist. so wie halt eben nicht aktiv gepickt wird.

    unterer teil: genau… man muss nicht andauernd nachschauen ABER 1. das fällt vielen nicht so leicht UND 2. den leuten, die beispielsweise so einige solaris im depot haben, denen hätte es gewiss nicht so gut getan nur einmal im jahr nachgeschaut zu haben. :)

    du siehst so einfach ist das nun mal nicht eine strategie als die überlegene rauszustellen, weil man sich auf einen aspekt des ganzen beschränkt. womit ich damit jetzt nicht sagen möchte, dass aktives stockpicking unbedingt erfolglos sein muss – gibt ja genug beispiele, die das gegenteil beweisen.

    Antworten
  6. andi7

    Hallo Rico1234,
    wie C bereits dargestellt hat, ist es gerade nicht gewünscht, dass man Einfluss auf Einzelwerte bzw. ihre Gewichtung hat.
    Wenn du eine gründliche Analyse durchgeführt hast, und ein paar Werte zweifelsohne zu favorisieren sind, wer kauft denn die restlichen Werte? Sind die anderen blind, dumm…?
    Die Antwort ist – es gibt unterschiedlichsten Ansätze und Strategien und Börsenphasen.
    Auch wenn deine Analyse dir die aktuell besten Einzelwerte aus einem Index herausgespuckt hätte, wann ist die Zeit gekommen diese zu verkaufen? Auf welche Zeitspanne bezogen waren es die besten?
    Also dein Beispiel mit Gewinnmitnahmen bei SAP oder Adidas. Du nimmst die Gewinne mit, die Aktien steigen jedoch noch weiter, weil nicht alle Inhaber dieser Ansicht sind (oder einfach in Urlaub oder im Krankenhaus sind oder Aktienmärkte gar nicht verfolgen oder noch mehr Anlegen auf den am schnellsten fahrenden Zug aufspringen).

    Also du sollst aktiv und ständig nach den aktuell besten Aktien suchen und kaufen/verkaufen. Das kostet Geld. Andererseits hast du mit Sicherheit nicht immer die Volltreffer (optimalsten Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkt zu erwischen ist unmöglich).
    Jetzt wiederum auf die Summe aller Anleger bezogen, hat man nur den Marktdurchschnitt.

    Die Märkte und insbesondere Einzelwerte übertreiben mal in eine mal in andere Richtung. Nur in selten Fällen kann du die Entwicklung erraten (je kürzer die Dauer desto schlechter die Trefferquote).

    Hältst du wirklich wenigstens eine Aktie 10 Jahre lang?

    Dass die CoBa aktuell die schlechteste Aktie ist, würde ich auch nicht bejahen. Sie lief in den letzten Jahren sehr schlecht. Aber gerade deswegen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es wieder bergauf geht.

    Antworten

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *