Reich, ab welcher Grenze?

Ich möchte mit euch zwar einen älteren aber aus meiner Sicht sehr interessanten Artikel aus FAZ teilen.
Ab und zu will man feststellen wo man sich im Vergleich zu den anderen befindet.
Es gibt immer wieder Berichte über Reiche oder Mittelschicht oder Armut. Ab wann gehört man in ein oder anderes Korb? Jedes Mal tauchen ganz andere Zahlen auf. Es ist nicht einfach herauszufinden, welche Rechengröße als Basis genommen wird.

So kann Reichtum anhand Vermögen definiert werden. Dann wird mal nur Geldvermögen gezählt ohne Immobilien, mal inklusive Immobilien.
Im anderen Bericht wird Einkommen ausgewertet, aber wiederum nicht klar ist, ob Brutto oder Netto, zu versteuerndes Einkommen oder einfach die Summe der Einkünfte. Ob die Transferleistungen wie Kindergeld, Wohngeld, Harz4 dazu zählen oder nicht.
Manche Übersichten basieren auf Haushalts-Befragungen. Dies finde ich total nicht repräsentativ (bescheuert). Denn zum einen werden nur 20 tausend Haushalte von 40 Millionen befragt. Zum anderen beteiligen sich die Milliardärshaushalte bestimmt nicht an solchen Umfragen.

In dem Artikel werden die Daten aus den Steuererklärungen ausgewertet. 40 Millionen Steuerpflichtige gegen 40 Millionen Haushalte. Damit wird ja fast alles abgedeckt.
Als Referenz wird die Summe der Einkünfte genommen. Also nicht zu versteuerndes Einkommen, sondern die Summe einzelner Einkommensarten vor Abzug der Spenden und sonstigen Sonderausgaben.

Das Herzstück des Artikels ist die interaktive Graphik. Besonders interessant sind die Einkommensgrenzen, die angeben wie viel Prozent der Steuerzahler mehr verdienen.
Z.B. nur 10% der Steuerzahler haben mehr als 48.190€ Einkünfte pro Jahr.

Laut dem Artikel gehören die einkommensstärksten 1% der Steuerzahler zu den Reichen. Diese Grenze liegt bei 126.134€. Ich kann dem nur zustimmen.

So lebt das reichste Prozent der Deutschen

13 Gedanken zu „Reich, ab welcher Grenze?

  1. egghead

    Über den 126.134 gibt es aber gewaltige Abstufungen, ich habe da mal eine Sendung gesehen. dann kommen einem die 126.134 gar nicht mehr sooo viel vor.

    Die obersten 5% tragen 41,8% der Einkommenssteuer, au weia.
    Quelle : http://www.steuerzahler-nrw.de/Die-Verteilung-der-Lohn-und-Einkommensteuer/35499c43145i1p169/index.html

    „Die Überraschung ist: Es sind die ganz normalen Angestellten der großen Industrieunternehmen, die mehr als 126.000 Euro verdienen und damit in das oberste Prozent fallen. Oft sogar bereits, ohne Abteilungsleiter zu sein, ohne Personalverantwortung für Untergebene zu tragen. IT-Spezialisten sind rar und teuer, deshalb sind allein beim Software-Konzern SAP im Rhein-Neckar-Kreis Tausende Angestellte Teil der Oberschicht, viele von ihnen haben es sich am Nußlocher Hang bequem gemacht. Bei Börsen und anderen Unternehmen, die mit Computerspezialisten durchsetzt sind, bedeuten 126.000 Euro nach Einschätzung des Ernst & Young-Gehaltsexperten Jens Maßmann gerade mal den Durchschnittsverdienst.“

    Dazu sage ich jetzt nichts, außer dass die IT-Spezialisten gut bezahlt werden – wenn es denn die Auftraglage erlaubt udn da waren einige seh hässliche Jahre bei, z.B 2001 bis 2004.

    Kann ich jetzt hurra schreien, wenn ich laut diesem Einkommen zur Oberschicht gehöre ? Mir bleibt das Lachen im Hals stecken, wenn ich sehe swie viel Einkommenststeuer bezahle und was Nachbarn an Sozialgeldern und staatlichen Leistungen wie selbstversändlich und mit wenige Arbeit einstecken während ich maloche und wenige Freizeit habe. Was ich an Steuern zahle schiebt der Staat 1:1 an diese parasitären Faulpelze weiter, das ist nicht gerecht !

    Antworten
    1. Rico1234

      Egghead, bei dieser Ansicht kommt mir offen gesagt das Würgen. Es gibt genug, die Malochen ohne Ende und trotzdem auf keinen grünen Zweig kommen. Das hat nichts mit Faulheit zu tun, sondern einfach damit, dass manche Arbeitnehmer schlicht keine Option zum Nein-sagen haben. Wenn man gezwungen ist, jede Möglichkeit der Arbeit anzunehmen, um über die Runden zu kommen, kann man nicht über ein Gehalt verlangen. Dieser Nachteil wird über die Niedriglohn-Jobs derzeit gnadenlos ausgenutzt. Und der Grund, dass die Gutverdiener so viel Einkommenssteuer zahlen, ist schlicht darin zu sehen, dass es einfach immer weniger Arbeiter gibt, die es überhaupt in die Schwelle schaffen, eine Einkommenssteuer zu zahlen. Oder möchtest du als neues Steuerspar-Modell weniger als 800 Euro im Monat verdienen? Sei froh, wenn du so viel Steuern zahlen darfst. Einige Mini-Jobber würden sich wünschen, so viel verdienen zu können, dass sie überhaupt Steuern zahlen können!

      Antworten
  2. DrEvil

    @egghead

    Erst mal Glückwunsch das du ein gutes und geregeltes Einkommen besitzt.

    Allerdings wird mir, wie auch Rico1234, anders bei deinem Beitrag.

    Ja es gibt einen winzigen Teil welcher sich auf der faulen Haut ausruht. Das ist im Promillebereich. Die Mehrheit muss hart arbeiten um über die Runden zu kommen. Die Zahl derer die ihr Einkommen aufstocken müssen, steigt von Jahr zu Jahr. Die Hetze die seit Jahren in den Medien abläuft verfehlt ihre Wirkung leider nicht.

    Willst du einen wirklichen Eindruck, dann besuche Ehrenamtliche Einrichtungen, Tafeln, Kindergärten, Jugendeinrichtungen, was dir beliebt. Rede mit den Menschen, hör dir ihre Geschichten an.

    Antworten
  3. egghead

    Hallo Rico,
    ist ja alles richtig was Du schreibst.
    Die Abgabequote ist trotzdem zu hoch und könnte niedriger sein, wenn der Staat richtig haushalten würde.
    Wenn die Steuern unter dem roten Peer ohne erkennbare Gegenleistung steigen also beschleunigt von oben nach unten unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit Umverteilung wird werde ich weniger arbeiten weniger Steuern und zahlen und ggfls das Land verlassen.

    Antworten
  4. andi7

    Bevor Egghead „in Stücke zerrissen“ wird, möchte ich paar Zeilen zu seiner Verteidigung schreiben.
    Das Thema an sich ist sehr breit. Ich möchte daher nur einige Aspekte andeuten.

    Egghead sieht die Sache aus der Perspektive der Melkkuh, die für den ganzen Unsinn zahlen soll. Ich kann seine Sicht und sein Aufschäumen nachvollziehen, obwohl ich bei weitem nicht so hoch aufgestiegen bin. Warum soll man von der höheren Leistung(!) immer mehr (prozentuell) an die anderen Abzweigen?

    Ich hoffe keiner hat etwas gegen gesunde Umverteilung.
    Die große Frage ist, wie gesund ist noch die jetzige Umverteilung (dies betrifft Zahlenebene).
    Die andere Frage ist warum gibt es so große Differenzen und demnach Bedarf an massiver Unterstützung? Am Tropf der Unterstützung hängen bereits breite Massen. Von gesund kann da nicht mehr gesprochen werden.
    Zudem ist die Unterstützung teilweise so hoch, dass es einem Haushalt nie gelingen wird aus eigener Kraft/Leistung über die Grenze zu springen, bei der die Unterstützung nicht mehr notwendig sein wird. Die Folge? Fehlende Motivation, Degradation, Faulheit (mit größeren zeitlichen Abständen).

    Ein Beispiel. Ich habe einen Kumpel – verheiratet, hat paar Kinder. Verdient nicht weit über Harz4-Grenze. D.h. zusätzlich zum bescheidenen Lohn, bekommt er Kinderzuschläge, Wohngeld, Erholungsförderung für Familien etc.
    Ich habe ähnliche Familiensituation. Verdiene so ca.50% mehr als er. Bekomme demnach keine Transferleistungen (bis auf Kindergeld). Wer hat in der Summe mehr Netto? Er! Unglaublich aber wahr. Ich arbeite mehr Stunden in der Woche (45-50 Std; in der IT-Branche ist Beamtentum selten möglich; übrigens nicht alle in IT-Branche verdienen prächtig), er hat seine geregelte 36-Stunden-Woche.

    Versucht er jedoch mehr zu verdienen, wir dies mit doppeltem Abzug bestraft! Davon kann ich ein Lied singen, es gab ja Zeiten, auch ich habe vom Sozialstaat etwas abgezweigt bekommen, nur nicht in so einem Ausmaß.

    Auch wenn man unterstellt, der Mensch will aus der Abhängigkeit heraus, wird er bei gesundem Verstand aus ökonomischen Gründen dies nicht tun. Und das ist der Schiefstand des Sozialstaates. Eigeninitiative und Leistung werden nicht gefördert sondern bestrafft. Und dies sowohl am unteren Ende der „Steuerpflichtigen“, sowie insbesondere beim Mittelstand!

    Natürlich tut es uns allen Leid, wenn immer mehr Menschen nicht von ihrem Leistungs-Einkommen leben können. Dann fragt man sich berechtigterweise, ob diese wahnsinnige Umverteilung, die letztendlich das Leid der Massen nicht mildert, in dieser Konstellation überhaupt noch Sinn macht.

    Antworten
  5. egghead

    Danke ich war schon provokant o. k.
    Ich vermute dass arm und reich gegeneinander ausgespielt werden. Medien tun das die Politik ganz heftig
    Ich kenne alleinerziehende Mütter die strampeln wie wahnsinnig. Gerne würde ich hier zweckgebunden Steuern zahlen. Durch KITA und Schule haben wir auch genügend Einblick in andere Verhältnisse und – wir haben früher auch gestempelt. .

    Antworten
  6. Lalucky

    Also ich bin als alleinerziehende Mutter wohl eine von denen, die ständig in die unterste Schublade gesteckt werden. Aber- ich kann mich nicht beklagen. Ich bin keine „Übermutter“-gehe 40 Stunden arbeiten und verdiene ein gutes Geld. Der Vater zahlt Unterhalt, mein Kind ist sehr, sehr selten krank. Ich habe also Glück gehabt. Doch ich bin mir durchaus bewusst, dass mein Leben – so wie es heute ist- auch reines Glück ist. Denn ganz, ganz schnell kann man nach unten durchgereicht werden. Man sollte vorsichtig sein mit seinen Äußerungen. Ich kenne Leute, die haben Hartz IV- Empfängern Schmarotzertum vorgeworfen- und jetzt hängen sie selber drin- ohne Hoffnung auf Besserung. Das ist der Grund warum ich mich über die Abgaben nie beschweren würde- sondern „maloche“ um all die Dinge, die jetzt noch soooo sehr vom Glück abhängen irgendwann in meinen eigenen Händen zu haben. Und nur darauf sollte man sich konzentrieren :o)

    Antworten
    1. andi7

      @Lalucky
      Deine Einstellung ist großartig. Man konzentriert sich aufs Weiterkommen und Weiterleben. Man beschwert sich nicht über die anderen (Schmarotzer) und nicht über die Abgaben. Definitiv wird man mit so einer Einstellung von glücklichem Leben sprechen. Wobei, dass es „reines Glück ist“ würde ich bestreiten. 😉

      Nun, hätten die meisten solch eine Einstellung, gäbe es zwar viel mehr glückliche Menschen, aber die „Geier“ da oben, hätten ein viel leichteres Spiel, um die Schrauben stärker nachzuziehen (dann gäbe es wiederum mehr Unzufriedene und wiederum stärkeren Widerstand).

      Also ich finde es gut, wenn die Menschen skeptisch das System anschauen, und versuchen die Fragen zu stellen und dann am besten etwas verändern oder sich anpassen bevor sie ganz unten ankommen und nichts mehr außer Meckern machen können.

      Ich gehöre übrigens in die unterste Schublade. Zwar anhand des Einkommens liege ich in der Mitte, teilt man jedoch die Summe auf alle Familienmitglieder (Großfamilie) sind wir an der Armutsgrenze. Deshalb das ganze „Philosophieren“ bitte nicht falsch verstehen.
      Ich sehe, dass unser System an vielen Stellen falsch ist (aber besser als gar keins, oder besser als in vielen anderen Ländern). Wenn einer sich über hohe Abgaben beschwert, kann ich seine Situation nachvollziehen und zustimmen.

      Antworten
  7. egghead

    Hallo Lalucky, die Alleinerziehenden gehören in die oberste Schublade und ich hoffe, dass die Personaler das irgendwann erkennen, dass jemand der Job und Familie erfolgreich managed auch im Job ganz oben stehen sollte.

    Antworten
  8. Finanzielle Freiheit mit Dividenden

    Wir sollten froh sein in Deutschland zu leben und nicht in eines der Südländer wie z.B. Griechenland. Ich habe dort Verwandte und seit 5 Jahren ist das Leben dort deutlich härter geworden. Ich habe keine Probleme meine Steuern in Deutschland zu zahlen und versuche mein bestes voran zu kommen. Jeder hat es selbst in der Hand, dass bester aus seinen Leben zu machen.

    >1% der Steuerzahler zu den Reichen. Diese Grenze liegt
    >bei 126.134€.

    Kann ich mir nicht vorstellen. Es gibt so viele Leute in Deutschland, die doch viel mehr pro Jahr verdienen und die ganzen Millionäre in Deutschland.

    Antworten
  9. andi7

    Laut „Statistiken“ werden in Deutschland ca.800.000 Personen oder 400.000 Haushalte zu Millionären gezählt. Dies macht ca.1% der Bevölkerung aus.
    Ungefähr die Hälfte davon liegt nicht weit weg über 1 Million.
    D.h. um auf 126.000€ zu kommen müsste man 12,6%-Rendite haben. Ich vermute, dass dies nur wenige schaffen. Denn die riesigen Mengen werden schlecht verzinst angelegt, oder stecken in irgend welchen Rentenansprüchen/Rentenversicherungen.
    Auch die Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung sind relativ niedrig (insbesondere wenn man berücksichtig, dass die größten Mengen in München, Hamburg oder Frankfurt umgewälzt werden, wo die Rendite unter dem Bundesdurchschnitt liegt), während die Gewinne aus dem Verkauf gar nicht bei den Einkünften auftauchen, wenn Spekulationsfrist abgelaufen ist (ich nehme es an).

    In Erinnerung habe ich eine durchschnittliche Vermögenssteigerung von 6% pro Jahr bei Reichen(wer auch immer damit gemeint ist).
    Also die Zahl von 126.000€ könnte stimmen, allerdings, gebe ich dir Recht, ist sehr knapp.

    Eine Hilfestellung könnte der folge Satz leisten:
    „Der Wert bezieht sich auf die „Summe der Einkünfte“ … und zwar auf die einzelnen Personen, egal ob sie allein oder gemeinsam mit ihrem Ehepartner veranlagt sind.
    D.h. ein Ehepaar muss schon auf 252.000€ kommen, um dazu zu zählen.
    D.h. auch „Die Überraschung : Es sind die ganz normalen Angestellten der großen Industrieunternehmen, die mehr als 126.000 Euro verdienen“ gilt nur wenn beide Ehepartner bei SAP als „ganz normale Angestellten“ mit je 126.000€-Gehalt tätig sind. 😉

    Für mich ist unglaubhaft die Verteilung am unteren Ende. 25% verdienen bis 6.985€ im Jahr?!
    Mit solchen Zahlen brauchen sie doch überhaupt keine Steuererklärung abzugeben.

    Antworten

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *