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Geldanlage: einige Überlegungen

Das Buch von Gerd Kommer „Souverän investieren mit Indexfonds, Indexzertifikaten und ETFs“ hat mir persönlich sehr viel Ruhe gebracht.
Denn ich bin sehr informationshungrig, experimentierfreudig und auf der anderen Seite zu vorsichtig was das Neue angeht. Bei aus meiner Sicht interessanten Ansätzen versuche ich immer tiefer nachzubohren. Letztendlich möchte ich zunächst Trockenüben und dann entscheiden, ob es etwas „für mich“ ist. Da beim Trockenüben die Entscheidungen auf eine andere Art getroffen werden, als mit „scharfer Munition“, und die Theorie oft wiedersprüchlicher Natur ist, komme ich letztendlich bei interessantesten Ansätzen „ins Geschäft“, um an der eigenen Haut Erfahrungen zu sammeln.

Aber allein fürs Zusammenfinden der ganzen Infos geht so viel Zeit verloren (eingesetzt). Um eine Strategie auszutesten werden Jahre benötigt. Für Aktienwelt sind 10, 20 Jahre keine langfristigen Zeiträume. Für das Leben eines Einzelnen sind es riesige Abschnitte.

So war es erfreulich zu lesen, dass man mit relativ wenig Einsatz, zu den besten 20% gehören könnte. Denn der Markt ist die Summe aller Teilnehmer (alle Käufer bzw. Verkäufer; alle privaten sowie alle institutionellen). Wenn man von der Durchschnittsrendite die Gebühren abzieht, die fürs aktive Handeln anfallen, oder die an die Fondsmanager abgegeben werden, so liegt diese Netto- Durchschnittsrendite schon ein Stück tiefer als beim passiven Handeln, bei dem die Gebühren „minimal“ sind.

Es ist sicher möglich mit irgendwelchen Strategien den Markt zu übertreffen. Es ist jedoch nicht garantiert, dass es auch bei dir klappt. Insbesondere es klappt bei 80% nicht! Die Stochastik ist also nicht auf „unserer“ Seite. Man könnte in falsche Börsenphase hineingeboren sein, falsch die Strategie verstanden haben oder nicht korrekt umgesetzt (in entscheidenden Phasen emotional handeln), vielleicht zu wenig Streuung haben (gerade am Anfang mit kleineren Beträgen) oder irgendwelche andere Lebensumstände hindern einen an der Strategie dran zu bleiben (plötzliche Heirat, Arbeitsverlust, Eigenheim).

Vor allem wo nimmt man heut zu tage so viel Zeit für Analysen? Wenn einer in der Finanzbranche tätig ist, dann gehört die Informationsbeschaffung zu seinem Berufsleben. Man ist immer top informiert über das Weltgeschehen, findet schneller ggf. bessere Argumentation oder modernere Produkte die auf einen Investitionsprofil mehr passen. Auf jeden Fall kann die Information mehrfach verwendet werden.

Aber für so einen Privat-Klein-Investor, der ständig seinen Kopf für seinen Beruf leer räumen soll, wird die Zeit nicht effektiv genutzt. Wenn man 1% Überperformance schafft, was an sich schon großartige Leistung wäre, dann macht dies aus 100.000 Einsatz nur 1.000 im Jahr aus. Als Alternative dazu könnte man im „schlimmsten Fall“ z.B. einen 400€-Job annehmen und 4.800€ im Jahr hinzuverdienen.

So ist aus meiner Sicht viel effektiver die Zeit in Businessaufbau zu investieren (es sei denn man ist ein Vollblutinvestor). Denn darin sehe ich viel größere Chancen und schnellere Fortschritte (vor allem bei jungen und noch nicht vermögenden Menschen). Sobald die finanzielle Unabhängigkeit erreicht ist, und man nicht mehr auf das Brötchenverdienen angewiesen ist, kann, den noch vorhandenen Wunsch vorausgesetzt, die „Performanceoptimierung“ in den Vordergrund rücken.

Hinweis: die ganzen Überlegungen widmen sich der Bemühung den Markt zu schlagen.
Die Basisgrundsätze wie Sparen, Anlegen, mehr verdienen, mehr sparen, die Assetklassen auswählen (sich mit Chancen/Risiken beschäftigen) etc. werden immer noch vorausgesetzt.

Geldanlage: Rückblick Teil 2

Meine Schlussfolgerung aus Experimenten.

Meistens klappte es sehr gut mit dem Einstiegszeitpunkt. Aber mit dem Ausstieg gab es immer wieder Schwierigkeiten. So wurde entweder zu früh (was an sich erst mal nicht so schlimm ist, da i.d.Regel mit keinen Verlusten verbunden ist) oder eher zu spät ausgestiegen.
So habe ich nach einer Anlage gesucht, bei der ich sehr selten oder am liebsten nie aussteigen muss.

Immobilien sind per se langfristige Anlagen. Allein wegen Kauf- und Verkaufsnebenkosten werden diese länger das Portfolio schmücken müssen. Auch der aktuelle Preis ist nicht auf Abruf vorhanden. Außerdem kann eine Immobilie nicht mit einem Mausklick veräußert werden. So gibt es viel mehr Ruhe, was Ausstiegspunkt anbetrifft.

Nach der Lektüre von dem Buch von Gerd Kommer „Souverän investieren mit Indexfonds, Indexzertifikaten und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen“, in dem behauptet wird, dass es keine Strategie gibt, langfristig den Markt zu schlagen, und dies somit nur den Glückspilzen zufällig gelingt, wurde ich auf die Anlageklasse „Emerging Markets“ aufmerksam.
Mir war schon zur Jahrtausendwende bekannt, dass diese Klasse wegen Globalisierung, EU-Erweiterung etc. sehr gut gelaufen war. Jedoch stufte ich den Erfolg als eine vorübergehende Modeerscheinung ein. In dem Buch gab es jedoch Zahlen, die diese gute Entwicklung auch in vergangenen Jahrzehnten wiederspiegeln.
Somit ist mein aktueller Topfavorit ein ETF auf Emerging Markets. (Nun so ganz aktuell sind recht alle Märkte heiß gelaufen, so warte ich wenigstens bis Jahresende auf eine Abkühlung).

Übrigens ein bisschen Zweifel an der Aussage im Buch hatte ich schon beim Lesen. Denn mein bisheriger Favorit die Dividenden-Strategie wurde doch in zahlreichen Studien anhand von aus meiner Sicht genug langfristigen Zahlenreihen bewiesen.
Auch die großen Legenden wie Buffet, Soros, Kostolany und einige andere sind existierende Beweise. Oder eben nur Ausnahmen?

Meine sekundäre Erkenntnis (gilt erst nur für mich und ist in Zukunft zu beweisen):
die „westlichen“ Aktien-Märkte, also entwickelte Länder, die in MSCI World vertreten sind, eignen sich nur bedingt für Vermögensaufbau. Denn ihre niedrigen Durchschnittsrenditen, salopp gesagt unter 10%, machen den Weg unnötig lang (und langweilig).

Zum Beispiel vom 01.01.01 bis 31.12.10 ist DAX nur um 9% gestiegen. Ich würde schon von einem verlorenen Jahrzehnt sprechen, wenn ich darin investiert wäre.

Somit ein Hoch auf Emerging Markets! (Moment mal, diese müssen erst mal wieder gewaltig krachen)

Geldanlage: Rückblick Teil 1

So, nachdem nun die Ziele festgelegt sind, zunächst ein Rückblick auf bisherige Erfahrungen.

Auf meinem Weg habe ich vielseitige Erfahrungen gesammelt. Da ich am liebsten anhand von eigener Erfahrung lernen möchte und zudem sehr experimentierfreudig bin, gab es keine lang andauernden Vorlieben.

Den Weg habe ich mit dem Kauf von Siemensaktien im Oktober 1997 eingeschlagen. Warum Siemens – braucht ihr mich nicht mehr zu fragen. Wegen der Asienkrise gingen die Kurse im November noch ein Stück herunter, so dass ich gleich am Anfang Sitzfleisch trainieren konnte. Im Juli 1998 wurden die Aktien verkauft. In etwa 8 Monaten ca.23% Gewinn. Kein schlechter Anfang.

Die Gier in mir wurde damit geweckt. Im Oktober kaufte ich gleich Optionsscheine auf DAX. Ein Monat später wurde nachgekauft. Anfang 1999 konnte ich 200%-Gewinn beäugen. Bisher alles korrekt durchgeführt. Leider habe ich mir zu wenig Gedanken gemacht wann ich nun aussteigen sollte, denn bei Aktien kann man vieles aussitzen, während Optionsscheine eine Wette gegen Zeit sind. So kam eine Brasilien-Krise und mein Geld war weg. Mit -70% habe ich mich wieder ins Lesen vertieft.

Da mein Studium sich dem Ende näherte, hatte ich dann doch zu wenig Zeit mich mit den Finanzanlagen zu beschäftigen. So wurde das Geld einfach den Aktienfonds anvertraut.
Ziemlich genau 1 Jahr nach dem Beginn meines Berufslebens ging es um den Bau vom eigenen Haus, so dass alle Mittel ins Eigenheim flossen.
Zeitlich war es allerdings perfekt, denn auf diese Weise wurde mir der große Sturz bis März 2003 erspart.

Mit der Zeit kam wieder freies Geld zusammen. So wurden Fonds-Sparpläne wieder aktiviert. Nach und nach wurde auch mit Einzelaktien, Discountzertifikaten, Mini-Futures und schließlich ETFs experimentiert (jaaa, gespielt).

Auch mein langjähriger Traum eine Renditeimmobilie zu besitzen wurde 2006 erfüllt. Dazu wird eigener Artikel geschrieben.

Die Anschaffung von zweiter Immobilie Ende 2007 hat mich wiederum von der Finanzkrise verschont, so dass ich dadurch wenigstens keine großen Verluste aus den Aktienanlagen erleben durfte…