Schlagwort-Archiv: Vermögensaufbau

Sparen und Investieren

„Die aktuellen Guthaben-Zinsen sind so mickrig, so dass es sich nicht mehr lohnt zu sparen – ich investiere lieber mein Geld in ein neues Auto.“
Der Satz stammt von meinem Arbeitskollegen, aber so oder so ähnlich höre und lese ich immer wieder und immer öfter sowohl in meiner direkten Umgebung als auch im Internet und es kommt auch aus gewissen Studien heraus.

Was stört mich an der Aussage?
Zum einen werden zwei unterschiedliche Bereiche miteinander versmischt.
Ich plädiere für strikte Differenzierung zwischen dem Sparen an sich und dem Anlegen/Investieren von Kapital.

Sparen heißt für mich – nicht das komplette Einkommen auszugeben, sondern einen Teil davon für sich also für den privaten Vermögensaufbau behalten. Wie es sich nennen lässt „sich selbst bezahlen“ – und zwar zuerst, bevor die Rechnungen anderer beglichen werden.

Gleich muss auch klar gestellt werden, dass sogenannte Zielsparen für größere Anschaffungen – z.B. Auto, Urlaub usw. – kein Sparen nach meiner Definition ist, weil das Geld nicht dem Vermögen zugeführt wird, sondern wiederum ausgegeben wird – nur zu einem späteren Zeitpunkt.

Dieser Schritt ist unabhängig von der Frage, ob aktuell die Zinsen im Keller sind, keine vernünftige Anlagen sich finden lassen etc.
Auch wenn das Geld „unter der Matratze“ liegt ist Sparen sinnvoll. Was heißt nun sinnvoll – es ist überhaupt die einzige Möglichkeit Vermögen aufzubauen. Denn egal auf welche Weise und wieviel Einkommen erwirtschaftet wird, für Vermögensaufbau zählt nur das, was davon für sich behalten wurde (natürlich gibt es Ausnahmen wie das Erben von Vermögen, Gewinnen im Lotto u.ä.).

Mittel-und langfristig sollte das Geld vernünftig angelegt werden, sonst wird es immer weniger. Allerdings ist es dann immer noch mehr, als wenn man alles direkt ausgegeben hätte.
Aus dieser Sicht gibt es z.B. viele Rentner, die einfach gewohnt sind zu sparen, wissen aber nicht, wie man das Geld optimal anlegt. Trotzdem weisen sie relativ große Vermögen auf (auch wenn es schlecht angelegt ist)!

Nur derjenige, der regelmäßig spart, baut sich mit der Zeit ein Vermögen (Kapital) auf!

Dann kommt der nächste Schritt. Das Vermögen soll nicht nur nicht schrumpfen (wegen der Inflation), sondern sinnvoll „arbeiten“, sprich – Erträge bringen.
Erst jetzt taucht die Frage nach Rendite, Risiko, Liquidität usw. auf!
Das Thema Investieren würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Im präferiere z.B. ausgewogenes Portfolio. Davon berichten einige Posts auf meinem Blog. Falls Bedarf besteht können die Grundzüge wieder aufgefrischt werden.

Ein weiterer fataler Denkfehler in der Aussage – man nimmt an, mit dem Investieren in ein Auto wird in Sachwerte investiert.

Wer sich etwas mit der Finanzwelt beschäftigt, liest immer wieder, dass die Investition in Geldwerte (Sparbuch, Tages-/Festgeld, Anleihen) sehr böse enden kann, wenn das Geld weg inflationiert wird. Zwar wurden die Deutschen in den letzten Jahrzehnten davon verschont (natürlich nicht ganz, denn ohne Inflation geht es kaum), aber auch aktuell gibt es genügend Länder auf der Welt mit sehr hoher Inflation.

Ergo – der größte Anteil des Vermögens soll in Sachwerte investiert werden.
Darunter sind gemeint Aktien/Firmenbeteiligungen, Immobilien/Land oder Rohstoffe. Es lässt sich streiten in wie fern, die eine oder andere Anlageklasse inflationssicher wäre – mein persönlicher Ansatz ist oben erwähnt– es kommt auf die Mischung von mehreren Anlageklassen an. Mal hinkt die eine Klasse, mal die andere, in der Summe wächst jedoch das Vermögen stetig und wirft „akzeptable“ Rendite ab.

Wenn die Renditen nicht verkonsumiert sondern wieder angelegt werden, übersteigt mit der Zeit (spätestens nach 20 Jahren) der Renditestrom, nicht zuletzt wegen Zinseszinseffekt, das aktiv erarbeitete Einkommen.
Ab diesem Moment würde ich von Finanzieller Unabhängigkeit sprechen. Denn unabhängig davon was man tut oder gar nichts tut, hat man bereits durchschnittliches Einkommen (mit dem man zuvor zurecht kam/ kommen musste) aus passiven Quellen.

Ein Auto ist dagegen keine Investition sondern ein Konsumgut. Der Wert sinkt von Jahr zu Jahr. Für Reparaturen oder Erneuerung von Verschleißteilen müssen höhere Beträge nachgeschossen werden. Es fliest keine regelmäßige Rendite.
Also wer beim Autokauf von Investition spricht, hat das Wort nicht verstanden. Leider wird das Wort umgangssprachlich genau für sowas verwendet. Man investiert zwar ins Auto, damit es seinen Zweck erfüllt (fahren), in die neue Küche (kochen) etc. aber es hat nichts mit Kapitalinvestition zu tun (Rendite bringen).

Ich konnte leider meinen Kollegen nicht überzeugen, dass er den Begriff Investition „falsch versteht“ bzw. auch was unter „Investieren in Sachwerte“ gemeint ist. Sehr Schade.

Ein passender Artikel dazu – z.B. „deutsche sparen immer weniger“ (insbesondere der erste Satz nach der Graphik).