Weihnachtsgeschenke vom Staat?

Wer noch an Weihnachtsgeschenke vom Staat glaubt, der dürfte auch an den Weihnachtsmann glauben (ich war kurz davor, bin jedoch zum Realismus zurückgekehrt). Der Staat versucht jedes Jahr für seine Bürger was Gutes zu tun. Abschaffung der Praxisgebühr, Senkung des Beitragssatzes bei der Rentenversicherung oder zuletzt Betreuungsgeld machen die Hoffnungen auf mehr Netto in der Tasche.
Jedoch allein die neue Stromumlage frisst die meisten Ersparnisse weg. Während die Erleichterungen für die Bürger groß posaunt werden, gibt es mehr oder weniger heimliche Mehrbelastungen, so dass der Bürger alle Jahre wieder merkt, dass er (erstaunlicherweise) mehr als bisher benötigt, um über die Runden zu kommen.

Auch ich persönlich habe ein Weihnachtsgeschenk vom Staat bekommen. Wie bereits früher geschrieben, habe ich einen Antrag (nun darf ich auspacken) auf Wohngeld bereits in 2011 gestellt. Nach einem Unterlagen-Sammeln-Marathon mit der Erstellung der Mieteinnahmen-Prognose für 2012, habe ich nach mehr als 12 Monaten die Bescheide bekommen. Ich kriege nichts!
Schlimmer noch – da ich in 2011 schon teilweise Wohngeld bekommen habe, muss ich dieses fast vollständig zurückzahlen. Denn meine Einnahmen im Nachhinein waren deutlich besser als bei der Antragstellung. Ich muss ca.1.500€ zurückzahlen! Aua!

Das Geld an sich ist zu verschmerzen. Wirklich schade ist mir um die ganze Zeit und Energie, die ich in den Prozess reingesteckt habe. Obwohl ich schon im Februar den Verkauf der Immo2 gemeldet habe, und spätestens ab diesem Zeitpunkt fest stand, dass ich deswegen für 2012 nichts bekomme, hat mir der Berater erzählt, dass die Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften nicht als Einkommen zählen. Ähh?
Die Hoffnung auf „leichtes Geld“ hat mich daran gehindert „unternehmerisch tätig“ zu sein und wichtige Erfahrung zu sammeln. Ich möchte schon länger dies und jenes parallel zu meinem Job ausprobieren und mir war bewusst, dass jede Initiative rigoros bestraft wird.

Nun bin ich diesbezüglich endlich ein freier Mensch. Am gleichen Abend nach Empfang des Bescheides habe ich einen mehrseitigen Widerspruch geschrieben. Am nächsten Morgen habe ich mir es anders überlegt. Ich brauche diesen unnötigen „Krieg“ nicht. Das aus meiner Sicht zu Unrecht entwendete Geld sehe ich als Lösegeld für die Befreiung aus der „Sklaverei“ (wenigstens des Überwachungs- und Erniedrigungsstaates).

Wer denkt, das Bösewicht wäre Finanzamt, der hatte noch nichts mit dem Sozialamt zu tun gehabt. In Zukunft werde ich mit größerer Freude Steuern auf durch meine Leistung verdientes Geld zahlen. 😉

Leider hat die Nachzahlung auch große Auswirkung auf das Erreichen meines finanziellen Jahresziels. Nun sehe in mit Zuversicht auf 2013, in dem ich mit meiner neu gewonnenen Freiheit diesen Verlust mehr als ausgleichen will.

6 Gedanken zu „Weihnachtsgeschenke vom Staat?

  1. egghead

    Hallo,

    tendenziell wird alles teurer, es wird nichts billiger. Wenn heute etwas gesenkt wird (Rentenbeitrag ?), dann ist klar, dass es in der Zukunft umso stärker ansteigt.

    Man darf sich nichts vormachen, das Leben in Europa wird drastisch teurer werden. Verlierer sind die Menschen, die ihr Einkommen nicht steigern können, evtl. stattlich festgesetzten Mindestbezügen oder sofern überhaupt vorhanden an Mindestlöhnen hängen (HARTZ-IV udn Strompreiseröhung, das wird knallen).
    Auch Rentner, wenn sie kleine Renten haben.

    Angesichts der laufenden und zu erwartenden Preossteigerungen udn Abgabeerhöhungen kann ich mich sogar langsam sogar mit Mindestlöhnen anfreunden. Allerdings werden viele dieser billigen Arbeitsstunden dann zum Ausgleich eingespart, d.h. weniger Menschen verdienen mehr. Dann stimmt die Rechnung für den Auftraggeber, aber Viele haben dann gar keinen Job mehr. Ich vermute, wenigstens jeder ditte Job wäre weg, 2 müssten für drei arbeiten, die Arbeitsbelastung würde für de Einzelnen enorm steigen, wollen wir das wirklich ?

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  2. andi7

    Da der Rentenbeitrag in Prozent festgelegt wird, sollte es theoretisch selten verändert werden. Die Rentenanpassungen sind an Lohnentwicklung gekoppelt, also es sollte immer passen.
    Da jedoch das Verhältnis zwischen Arbeitsnehmern und Rentenbeziehern sich immer weiter verschlechtert, muss der Rentenbeitrag künftig immer weiter erhöht werden (Alternative dazu wäre Renten-Kürzung bzw. -nullrunden).
    Die diesjährige Beitragskürzung ist aus meiner Sicht ein Werbegag (Wahlgeschenk). Diese wird in sehr naher Zukunft wieder zurückgedreht.

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  3. andi7

    „Das Leben in Europa wird teurer werden“ – stimme zu. Das Wort „drastisch“ erschreckt mich ein bisschen. Aber in Bezug auf die Menschen mit niedrigen Einkommen ist es bereits jetzt Realität. Während die gesamte Inflation offiziell bei 2-2,5% liegt und die Einkommen auch um ungefähr den gleichen Betrag steigen, d.h. real gibt es keine Veränderung, sind die größten Steigerungen bei den Warengruppen zu finden, die zum lebensnotwendigen gehören – also Lebensmittel, Mieten, Mietnebenkosten, Gesundheit, Sprit.

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    1. egghead

      “Drastisch” ist dann erreicht, wenn der Mittelstand mit einem knappen Einkaufszettel diszipliniert durch LIDL rennt und die Kinder beim Einkauf heulen, weil neben den Dingen auf dem Zettel abosolut nichts mehr extra drin ist.

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  4. andi7

    Zu den Mindestlöhnen habe ich mal eine Debatte verfolgt. Dabei wurde die Grenze immer weiter nach unten gezogen. Letztlich wurde 4,xx€ genannt. Ich empfinde dies als Spucken ins Gesicht der Arbeitskräfte. Wer braucht so einen Mindestlohn?
    Und doch gäbe es auch bei diesen lächerlichen Zahlen in seltenen Fällen einen Nutzen. Denn es gibt doch „Arbeitgeber“, die das aktuelle System ausnutzen. D.h. sie zahlen noch weniger. Kein Mensch würde freiwillig so einen Job annehmen. Aber die Sozialhilfe-Bezieher haben dann keine Wahl, sonst wird der Regelsatz gekürzt. So gibt es dann hunderttausende Aufstocker. Dass bei so einem Arbeitgeber die Arbeitsbedingungen normal sind und Urlaubsgeld/Weihnachtsgeld und 13-monatsgehalt bezahlt werden versteht sich von selbst.
    Superargument wäre, dass die Leute wenigstens so einen Job haben können. Einerseits ja. Aber mittelfristig führt dies zur systematischen Ausbeutung der Arbeiter und letztlich Verarmung der ganzen Gesellschaft (mit einer immer reicher werdender kleiner Schicht). Dies kann in jedem 3-Welt-Land beobachtet werden. Während z.B. China oder Russland bei der Anzahl der Milliardäre schon die meisten westlichen Länder überholt haben, geht es den breiten Massen immer noch genau so mies, wie vor Jahrzehnten.
    Wollen die Deutschen dies auch haben?

    Also Mindeslohn – ja. Aber bitte nicht so tief.

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